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Viking: Battle For Asgard Review - Microsoft Xbox 360 (11.04.2008)

Heimlich, still und leise hat sich »Viking: Battle For Asgard« in die Spieleregale geschlichen. Noch heute, nach dem Release, stößt man auf einige fraglose Blicke, wenn man gerade von der neu erschienenen Wikingermassenschlacht spricht. Doch woran liegt das? Weil derzeit alle Welt auf »Condemned 2«, das neue »Mario Kart« oder »Grand Theft Auto IV« schaut oder ist der Titel tatsächlich derart uninteressant, dass er keine Aufmerksam verdient? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Viel Blut klebt an den Klingen Skarins' Waffen
Gleich die Hintergrundszenen des Menüs verraten, was euch in den kommenden zehn bis 15 Spielstunden erwarten wird. Eine schier unzählige Masse an Unterweltkämpfern stürmt aus der Festung heraus, um sich im Kampf mit euch zu messen. Tatsächlich spielt ihr allerdings den weißblonden Muskelprotz Skarin, der selbst nie zu Wort kommt, dafür allerdings mit seiner riesigen Axt und dem Langschwert trotzdem sehr überzeugende Argumente darbieten kann. Nachdem Hel, die Göttin der germanischen Unterwelt, ganz Midgard mit riesigen Legionen von Kämpfern aus der Unterwelt eingenommen hat, beauftragt euch ihr Gegenpart Freya, die wiederum für Liebe und Fruchtbarkeit steht, die Welt vor dem Bösen zu retten und für Frieden zu sorgen. Ihr spielt also die Seite des Guten, des Lichtes und kämpft gegen das Böse und die Dunkelheit. Auch wenn die beiden Götter in der nordgermanischen Mythologie existieren und auch die Wikinger nachweislich ihr Unwesen trieben, erhaltet ihr hier nun wahrlich keine Geschichtsstunde. In »Viking« steht beinahe pures Gemetzel im Vordergrund.

Nach dem kurzen Intro steht ihr zunächst etwas verlassen herum. Ihr befindet euch im Wikingercamp, seid von zahlreichen NPCs umgeben, könnt allerdings nur mit einer Hand voll von ihnen kommunizieren. Größtenteils handelt es sich dabei sogar nur um einen Shop, einen Schmied und einen Anführer, der euch Anweisungen gibt, wohin ihr euch begeben sollt und wer gerade dringend Hilfe benötigt. Dabei müsst ihr zunächst einmal die Karte aufrufen, um euer nächstes Ziel ausfindig zu machen. Leider ist diese etwas unübersichtlich geraten und vor allem in Gebirgen werdet ihr es schwer haben, euren Weg zu finden. Mittels eines Tastendrucks könnt ihr allerdings einen Ort anvisieren, der euch stets brav im Radar, der sich stets oben links befindet, mittels eines Pfeiles angezeigt wird. So ist das Verlaufen beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Nett ist zudem die Einfärbung des Ziels: Habt ihr alles erledigt, färbt es sich blau, andernfalls lächelt es euch stets im dunklen Rotton an.

Die Gewaltdarstellungen sind oft übertrieben, aber trotzdem ansehnlich
Fortbewegungsmittel gibt es allerdings nicht – alle drei Inseln müsst ihr stets einmal beinahe vollständig per pedes erkundet haben, damit ihr auch die versteckten Orte, die zur Erfüllung der Mission notwendig sind, entdeckt. Dabei unterstützen euch allerdings die riesigen »Leysteine«, die aus dem Boden ragen und euch an festgelegte Plätze teleportieren können, sofern sie auf eurer Karte vermerkt sind. Allerdings bleibt »Viking« trotz der großen Karte recht linear, denn die Aufträge befinden sich zum einen meist in der Nähe und zum anderen müsst ihr meist vorher Brücken herunterlassen, Legionen befreien oder Vorräte beschaffen. Einzig die Soldaten, die in kleinen Camps der Gegnerschaft immer wieder festgehalten werden, sind von der Story unabhängig und können jederzeit entfesselt werden. Geld verdient Skarin nicht etwa durch das Ausbeuten der Leichen, sondern durch die zahlreich verteilten Goldsäcke, Urnen und Truhen, die immer wieder ein paar Goldstücke für euch parat haben. Im Menü gibt es hingegen umso weniger zu entdecken. Ein richtiges Inventar existiert nicht, ebenso wenig wie ein Ausrüstungsscreen – stattdessen erinnert die Optik mehr an Statusscreens vergangener PSOne-Tage.

Die Kampfmechanik ist simpel gestrickt, wird aber auch nach über 1000 getöteten Gegnern nicht langweilig. Mit dem »A«-Button wird eine leichte Attacke ausgeführt, während das Drücken des »X«-Knopfes zu einem harten Angriff führt. Natürlich sind diese auch Kombinationsfähig und in der »Battle Arena« können gleich bis zu 16 verschiedene Attacken erworben werden. Während ihr also in euren ersten Minuten fröhlich auf den Tasten rumhaut, werdet ihr schon bald eine ganz eigene Taktik entwickeln, die auch bitter nötig sein wird. Via »Y« könnt ihr zur Sprungattacke ansetzen und mit »LB« eure Attacken verstärken. Einen besonderen Stellenwert besitzt allerdings das Blocken, das vor allem bei fünf oder mehr Gegnern von großem Nutzen ist. Gegen normale Gegner ist Skarin nämlich in der Lage, beinahe jede Attacke mit seinen Waffen abzublocken und im Folgenden sein Angriffsfeuerwerk zu zünden.

Spezielle Bossgegner werden mit Quick-Time-Events besiegt
Habt ihr einen Gegner zurück in die Unterwelt geschickt, hinterlässt er rote Punkte, die ihr aus der Luft aufsammeln könnt, die die »Mana«-Leiste Skarins auffüllen. In den eigenen Camps kann er sich nämlich beim Schmied seine Waffen mit Feuer, Eis und Blitz aufmotzen lassen und entsprechende Unterstützung während des Kampfes anfordern. Euren Attacken werden nämlich durch die genannten Zauber unterstützt. So zerbrechen Gegner bei Eis nach zwei Attacken, während sie bei Feuer in Brand geraten und bei Blitz sekundenlang geschockt sind. In den Shops können darüber hinaus neben Schatzkarten und Gesundheitserweiterungen Wurfäxte, Feuertöpfe und Heiltränke gekauft werden. Benötigt ein Gegner nur noch einen Schlag, bevor ihn das Zeitliche segnet, erscheint ein großes »X« über seinem Kopf, das bei entsprechendem Knopfdruck einen »Finishing Move« in »Super Slow Motion« ausführt. Nichts für schwache Gemüter, denn die Blutfontänen sind beachtlich und die abgetrennten Körperteile nichts Jedermanns Sache.

Auf jeder Insel kommt es zudem zu zwei Massenschlachten, in denen sich geschätzte 600 bis 700 Soldaten gegenüberstehen und sich die Köpfe einhauen. Eure Aufgabe ist es dabei, die Schamanen im Hintergrund, die immer wieder neue Legionäre herbeizaubern, zu bekämpfen und auszuschalten. Beistand könnt ihr hier durch eure Drachen erhalten, die ihr während der Geschichte beschwört habt. Sie können auf Befehl sowohl Schamanen, aber auch Bogenschützen oder die unangenehmen Riesen bekämpfen. Leider habt ihr während dieser Schlachten keinerlei Einfluss auf das Verhalten eurer Kollegen, so dass Fortuna euch hold sein muss, damit ihr es bis zum Schamanen schafft. Versagt ihr, startet ihr gleich wieder mit vollem Energiebalken am Rande des Geschehens und verliert auch euren Fortschritt nicht. Während des gesamten Spiels werdet ihr immer wieder von den sogenannten »Quick Time Events«, die durch »Shenmue« bekannt wurden, verfolgt. In »God Of War«-Manier müsst ihr etwa den Riesen zunächst die Achillesversen durchschneiden, um im dritten Anlauf auf seinen Körper zu steigen und ihm mit dem Schwert im Gesicht herumzuschnitzen. Fernab davon geschieht beinahe jede Aktion über das mehrmalige Drücken des »B«-Buttons.

Erfreulich wären mehr Rollenspielakzente gewesen, denn teilweise wirkt »Viking« in der Ausstattung doch sehr altertümlich. Es existieren weder »Level-Ups« noch irgendeine Form des Ausrüstungswechsels. Stattdessen können lediglich die Waffen mit den angesprochenen Runen aufgemotzt und neue Attacken erlernt werden, von denen man jedoch doch nur einen Bruchteil benötigt. Ebenso frustrierend ist die Schleichfähigkeit Skarins. Zwar kann er sich unentdeckt an den Gegner heranpirschen und mittels der »X«-Taste sofort zum finalen Hieb ansetzen, allerdings werden während des Spiels insgesamt drei Schleichmissionen verlangt, die beinahe ein Ding der Unmöglichkeit sind. Die Festungen der Gegner sind nämlich nicht nur unglaublich groß, sondern auch an jeder Ecke mit einer Schar von Gegnern versehen. Da euch erschwerend nicht angezeigt wird, wie sichtbar ihr gerade für euren Gegner seid und die Mechanik dessen nicht ganz ersichtlich ist, läuft es meist darauf hinaus, dass ihr durch die gegnerische Basis flieht, immer wieder Attacken blockt und auf »gut Glück« zum Ziel stürmt. Allerdings ist dies nicht ganz einfach, wenn euch bis zu 100 Gegner gleichzeitig verfolgen.

Viel Action und trotzdem ein flüssiger Spielablauf
Womit wir auch zur Einzigartigkeit von »Viking« kommen. Das Spiel kann etwa 200 bis 300 agierende Kämpfer gleichzeitig darstellen, ohne dass die Framerate auch nur ansatzweise in die Knie geht. Es macht einfach Spaß, Teil des Wustes zu sein und die Soldaten in ihrem Element zu sehen. Dabei macht die Grafik auch sonst einen guten Eindruck, wenn auch keinen hervorragenden. Die Landschaften und Dörfer wirken stimmig, hübsch und sauber und der geschickte, wenn auch einfache, Lichtwechsel von hell nach dunkel ist gut gelungen. Einige fehlende Details seien dem Spiel verziehen, genauso wie die Popups, die vor allem bei den Grashalmen im Boden ins Gewicht fallen. Die Musik enttäuscht allerdings gänzlich. Teilweise müsst ihr völlig ohne musikalische Untermalung auskommen und seid über jeden Vogelgesang froh. Die englische Synchronisation ist hingegen sehr angenehm und die Soundeffekte passend.

Maurice Lorenz meint:
Zwar handelt es sich bei »Viking« beileibe nicht um einen Toptitel, der seine Genrekollegen ins Abseits stellt, dennoch wird ein ein grundsolides Actionspiel mit starken Hack&Slay-Einflüssen geboten. Auch wenn vor allem das Interface und der Spielablauf etwas rudimentär wirken, werdet ihr das Spiel nicht so schnell aus der Hand geben wollen, weil ihr einfach abschalten und einen Gegner nach dem anderen euren Waffen vorstellen könnt. In den insgesamt zehn bis 15 Stunden verfolgt ihr immer wieder das gleiche Schema und trotzdem versprüht »Viking« seinen ganz eigenen Charme, der euch in seinen Bann ziehen wird. Versprochen!

+ Massenschlachten mit mehr als 500 Soldaten
+ hübsche Welten
+ riesige Inseln
+ leicht erlernbares Kampfsystem
+ keine Framerateeinbrüche
- Stealth-Missionen
- wenig Abwechslung
- Menüs und Interface sehr simpel geraten

Grafik: 83%
Gameplay: 81%
Sound: 75%
Spielspaß: 83%

82%














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