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Lost Review - PlayStation 3 (12.03.2008)

Anders als in Deutschland, wo viele heimische TV-Serien mit einem kleinen Budget auskommen müssen, können TV-Serie im Mutterland der Filmindustrie aus den Vollen schöpfen. Specialeffekte und aufwendige Kulissen, die man in Deutschland nicht einmal in Kinofilmen wiederfinden kann, sind keine Seltenheit. Dies ist ein Grund mit, dass in Amerika solche Serien sich einer enormen Beliebtheit erfreuen. Die Serie Lost ist eine davon.

Lost spielt sich komplett auf einer Insel ab, auf die sich die Passagiere eines abstürzenden Fliegers wiederfinden. Klingt für Lost Neulinge absolut unspannend, aber Fans der Serie können die neusten Folgen nicht abwarten und spekulieren schon vor der Ausstrahlung über die nächsten Erkenntnisse der mysteriösen Insel. Die Serie erschien dem deutschen Sender RTL so erfolgreich, dass sich eine Neuproduktion mit deutschen Schauspielern zu lohnen schien. Der Versuch erwies sich schnell als gescheitert und wurde eingestellt. Der französische Publisher Ubisoft hat sich die Rechte der amerikanischen Serie gesichert und präsentiert uns Lost - Das Spiel.

Die von J.J. Abrams, der als Produzent von Filmen wie Cloverfield und Joy Ride auch die Luft des „großen Hollywoods“ schnupperte, erschaffene Serie lebt von ihren reichhaltigen Charakteren und den überraschenden Wandlungen. Mal glaubt man die Bewohner der Insel träumen alles nur, sind bereits tot, von Aliens entführt oder es steckt am Ende doch nur eine Regierung hinter der ganzen Sache. Die Entwicklungen der Charaktere sind dabei ebenso erstaunlich. Waren sich zu Beginn der Serie nahezu alle fremd, merkt man von Folge zufolge mehr, wie sehr sie miteinander verbunden sind. Kann man aber diese komplexe Geschichte auf eine Disc bannen und zugleich Lost Neulinge an das Werk heranführen?

Die Charaktere sehen den Originalen sehr ähnlich
Das Spiel beginnt am Startpunkt der Serie und begleitet uns bis zum Ende der zweiten Staffel. Orte und Handlungen der dritten Staffel bleiben uns dabei verborgen. Das Erste, was der Spieler miterleben darf, ist die Situation unmittelbar nach dem Absturz des Fluges 815. Aber halt. Was ist das? Der vom Spieler gespielte Charakter Elliot ist selbst eingefleischten Fans der Serie unbekannt - er ist neu und seine Story für das Spiel erfunden. Er und die 47 anderen Überlebenden haben ab nun nur noch ein Ziel: runter von dieser Insel! Dafür muss unser Held Elliot als Erstes seinen unfreiwilligen Aufwachpunkt im Dschungel verlassen und Richtung Strand zum Flugzeugwrack gelangen. Auf dem Weg dorthin wird uns das Spiel und seine Steuerung näher gebracht. Viele Elemente des Spiels entlieh man sich dabei der Serie. Flashbacks, wohin man sieht und nach jeder „Episode“ gibt es ein „was bisher geschah“. Dies, erleichtert auch die neue Figur Elliot glaubwürdig einzubauen. Dieser leidet nach dem Absturz unter Gedächtnisverlust und erhält nach und nach seine Erinnerung zurück. Dadurch erleben selbst die größten Fans der Serie neue Geschichten auf der Insel.

Leider ist die Bewegungsfreiheit des Spielers zu limitiert
Ubisoft hat sich auf der technischen Ebene viel Mühe mit Lost gegeben. Die vermutlich teure Lizenz wollte man nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen. Daher gibt es für die deutschen Zuseher der Serie gleich die passenden Synchronstimmen und die wurden zugleich professionell in das Spiel eingebunden. Auch bei der Modellierung der Charaktere hat man nichts dem Zufall überlassen. Die Gesichter und die Bewegungen der Figuren wirken wie direkt aus der Serie übernommen. Bei der Umgebungsgrafik konnte man nur die Abwechslung bieten, die auch die Serie zulässt. Dafür ist das Dickicht des Dschungels sehr gut gelungen. Bäume und Gräser wirken lebendig und das Licht durch die Baumwipfel lässt eine Inselromantik aufkommen. Damit wurden die Stimmen, die Grafik und auch das Setting der Serie gut übernommen - da darf die Musik und die Soundeffekte nicht fehlen. Auch hier hat man ganze Arbeit geleistet und viel Bekanntes eingebaut. Was kann da noch schiefgehen?

Leider kann da noch einiges nicht perfekt ablaufen. Was nutzt die beste Technik und die schönste Background Story, wenn das Spielprinzip schwächelt. Bei dem Genre-Mix greift der Held häufig zu seiner Kamera. Selbst in den spielbaren Flashbacks nutzt er diese. Nur wenn er eine Szene perfekt aufnimmt, erhält er auch die passende Erinnerung zurück. Und das „Perfekt“ ist zugleich das große Problem. Auch wenn man durch die Hinweise schnell weiß was man ablichten soll, meckert das Spiel dauerhaft an Schärfe oder Bildausschnitt. Wer zwanzig Mal dieselbe Szene durchleben musste und immer wieder dasselbe Bild erzielen soll, wird schnell an Motivation verlieren.

Das nenn ich mal einen Dschungel
Der nächste Kritikpunkt ist die enorme Linearität des Spiels. Obwohl man sehr viele Gespräche führt, beeinflusst der Spieler im Grunde nichts. Auch sind die Dialoge zu „gleich“. Elliot würde im richtigen Leben als Langweiler verschrien sein. Immer wieder spricht er die anderen Charaktere mit denselben Phrasen an.

Der größte Kritikpunkt bleibt aber, dass sich das Spiel nur an Fans richtet und dabei den Fans nur wenig bietet. Ohne die Serie gesehen zu haben, wird der Spieler viele Passagen nicht verstehen. Es bleibt dem Neuling oft ein Rätsel, warum gewisse Charaktere sich so außergewöhnlich verhalten. Auch ist der neue Charakter, der den Mehrwert für die Fans darstellt, blas. Damit ist weniger die Gesichtsfarbe gemeint, sondern die Entwicklung des Charakters. Eigentlich bezieht die Fernsehserie Lost genau daraus ihren Reiz.

Die Rätsel in dem Spiel sind alle sehr einfach gehalten und können von jedem Spieler in Windeseile gelöst werden. Leider wiederholen sich einige davon einfach zu häufig - und das bei einer Gesamtspielzeit von sechs Stunden. Danach ist mit Lost Schluss und damit man keine Lücke wie zwischen den Lost Staffeln hat, bekommt der Spieler ein „Ende“ vorgesetzt.

Jörg Schnettker meint:
Man kann das Fazit sehr kurz halten. Wer die Serie liebt, wird sicherlich auch mit dem Spiel warm werden. Alle anderen sollten lieber einen Bogen um das Spiel machen, denn die Story hat für Neulinge zu viele Lücken. Elliot, der neue Charakter auf der Insel, hat zwar seinen Zweck erfüllt, weiß aber nicht zu überzeugen. Geheimnisse, und davon gibt es auf der Insel Unzählige, werden dadurch nicht aufgedeckt. Bei Lost wurde leider zu viel Potenzial verschenkt.

+ schöne Umgebungsgrafik
+ gute Soundeffekte
+ Filmreife Flashbacks
+ nah an der Serie
- nur für Fans
- Lücken in der Story
- zu kurz

Grafik: 85%
Gameplay: 63%
Sound: 84%
Spielspaß: 65%

68%














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